Porträt - The Rock 'n' Roll Express (Teil 2/2 online!)

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    • Porträt - The Rock 'n' Roll Express (Teil 2/2 online!)



      Teil 1

      Der legendäre Rock ’n‘ Roll Express wurde dieses Jahr von der WWE in die hauseigene Hall of Fame aufgenommen – pünktlich zum 35. Geburtstag dieser einmaligen Karriere, in welcher Ricky Morton und Robert Gibson durchgehend gemeinsam aktiv (!) geblieben sind. Grund genug, das legendäre Tag Team, das den „Hot Tag“ salonfähig machte, etwas genauer zu beleuchten.

      Alles begann 1983 in der Continental Wrestling Association, geleitet von Promoter Jerry Jarrett und Headbooker Jerry Lawler. Lawler war auf der Suche nach einem zweiten Babyface Tag Team, das für die damalig immens populären „Fabulous Ones“ (Steve Keirn and Stan Lane) einspringen konnte, wenn sie einmal woanders auftreten mussten. Die Anforderung: Das neue Team sollte jung, dynamisch, gut aussehend, sowie dem damaligen Zeitgeist entsprechend sein. Die Frauen sollten angezeckt, die Männer beeindruckt und die Massen bewegt werden. Die Wahl fiel auf Richard Wendell Morton und Ruben Gibson, die sich styletechnisch dem zu der Zeit äußerst populären „Glam Rock“ bzw. „Hair Metal“ angepasst haben – mit auffälligen Frisuren, extravaganten Outfits und anderen fragwürdigen, modischen Fehlgriffen. Aber das Business lebt eben unter anderem von der Popkultur und dem Geschmack der Masse. Morton und Gibson sollten fortan als „Ricky & Robert“ in die Geschichtsbücher eingehen.

      1983 und 1984 fehdete der Rock ’n‘ Roll Express, dessen Name übrigens einfach nur darauf zurückzuführen ist, dass ihre Coolness, Schönheit und Fähigkeiten wie ein metaphorischer Zug in jedermanns Gesicht raste, gegen „The Bruise Brothers“, „The Galaxians“, sowie Lanny Poffo und Randy Savage. Schnell wurde klar, dass Jerry Lawlers Plan voll aufgegangen ist: Ricky und Robert überholten in ihrer Popularität das restliche Roster und letztendlich auch die Fabulous Ones, sodass der Express weiterzog Richtung Mid-South Wrestling Association in Tennessee. Für zwei Babyface Top-Teams war in der CWA kein Platz.

      Was in der Mid-South Company dann passierte, nennt man wohl geläufig eine göttliche Fügung. Ricky und Robert trafen dort auf drei Männer, die vermutlich mitverantwortlich für ihre legendäre Karriere sind: Bobby Eaton, Dennis Condrey und Jim Cornette – kurz der „Midnight Express“. Durch ihre Eingespieltheit setzte der Mitternachts-Schnellzug neue Maßstäbe im Tag Team Wrestling und durch ihren Look, dem Auftreten, den Moves im Ring und des schmierigen Managers gaben sie den perfekten Gegenpart zum Rock ’n‘ Roll Express ab. Ohne den Midnight Express wäre der Rock ’n‘ Roll Express wahrscheinlich nie so populär bei den Zuschauern geworden und wäre schnell in der Versenkung verschwunden.

      „It was kind of crazy, because some places we had to go to, we had to meet with the police officers to get escorted into town,“ Gibson said. „Then they would escort us out of town because the fans would line up as soon as the matches were over. They were in their cars trying to follow us out, and the police had to actually escort us in and out of the buildings.“ – Robert Gibson, CBS Sports

      Als die Fehde der beiden Tag Teams erst einmal begann, konnten die Zuschauer nicht genug davon kriegen. Jim Cornette ist zweifelsfrei etwas durchgeknallt, aber ebenso ein absolutes Mastermind im Business. Dieser Mann weiß wie man mit Crowds zu arbeiten hat, wie man die Zuschauer gegen sich und sein eigenes Team aufbringt. Jeder wollte den Midnight Express – und speziell Jim Cornette – am Boden sehen. Und wer eignet sich da besser für als der populäre Babyface-Express? In einer Zeit, in der die Zuschauer nur noch selten während Wrestling-Veranstaltungen von ihren Sitzen aufsprangen, schafften der Rock ’n‘ Roll und Midnight Express genau das – Match für Match. Auf der einen Seite hatten wir Ricky, der alleine schon durch seinen Look vor allem bei den weiblichen Fans (wenn sie denn mal wollen gewiss der lauteste Teil der Zuschauerschaft) und Robert, Rickys unerschütterlicher Partner in Crime auf Lebenszeit. Auf der anderen Seite hatten wir den technisch klar unterschätzten „Beautiful“ Bobby Eaton und das Powerhouse Dennis „Loverboy“ Condrey. Später kam auch noch „Sweet“ Stan Lee mit seinen ansehnlichen MMA-Skills hinzu. Eine perfekte Dynamik, die die Massen mitgerissen hat. Teilweise ist es Mid-South Wrestling schwergefallen, genügend Shows zu booken, um den Fans das zu geben, was sie wollen: Die beiden Express-Teams in Endlosschleife! Ab 1985 traten die beiden Teams letztendlich in den Jim Crockett Promotions unter dem Banner der National Wrestling Alliance an und schafften den Durchbruch.

      „Dude, we’d have matches where they’d be getting the heat on me and the fans would hit the ring and everything,“ Morton said. „Bobby and Dennis, or Bobby and Stan Lane, with Cornette, I think we had some of the greatest matches of all time. It comes up a lot when I’m on the road, with every fan just about every night, man. ‚Gosh, I remember those matches with y’all and the Midnight Express!‘ And they’d go through a whole bunch of ‚em. It was one of the best times and one of the best rivalries, I think, of all time.“ – Ricky Morton, CBS Sports

      Während dieser Zeit machte der Rock ’n‘ Roll Express die heute selbstverständlich erscheinende Tag Team Match Grundformel salonfähig: Die Isolation eines Babyface-Team-Mitglieds mit folgendem, hinausgezögerten Tag-In! Die sogenannte „Face in Peril“ Formel sah vor, dass die eine Hälfte des bei den Fans beliebten Tag Teams von der Heel Formation minutenlang verdroschen wird, bis das tapfere, stets zum Nearfall auskickende Mitglied doch den sogenannten „Hot Tag“ mit seinem Partner schafft und dieser dann das gegnerische Duo im Alleingang auseinandernimmt. Die Rolle des Mannes mit Nehmerqualitäten perfektionierte Ricky Morton über die Zeit mit seinem herausragenden Selling. Robert Gibson brachte dann mit einem fulminanten Comeback das Hallendach in aller Regelmäßigkeit zum Erschüttern und schloss dann zumeist siegreich mit seinem Partner nach dem Double Dropkick ab.

      Im Juli 1985 sicherten sich Ricky & Robert das erste mal die NWA World Tag Team Championships. In den nächsten drei Jahren sollte vier weitere Titelgewinne folgen. Neben dem Midnight Express fehdete der Rock ’n‘ Roll Express unter anderem auch mit Rick Rude & Manny Fernandez, The Minnesota Wrecking Crew, The Road Warriors, The 4 Horseman, dazu arbeiteten sie mit Dusty Rhodes, Ricky „The Dragon“ Steamboat, Magnum TA und vielen anderen zusammen. Einen Gegner konnte der Rock ’n‘ Roll Express allerdings nicht besiegen: Die Finanzen der Jim Crockett Promotions. Ricky & Robert akzeptieren ein Angebot der American Wrestling Association – ohne zu wissen, dass auch diese Company bereits auf dem absteigenden Ast war und 1991 letztendlich komplett geschlossen wurde. Nach wenig erwähnenswerten Auftritten in der Continental Wrestling Association erhielten die Rocker allerdings Anfang der 90er-Jahre Hilfe von ungeahnter Seite…

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    • Wie immer sehr gut und informativ geschrieben. Daumen hoch!

      Offen gesagt bin ich erst durch die diesjährige Hall of Fame so richtig auf den Rock'n'Roll Express aufmerksam geworden, aber die Historie der beiden spricht für sich. Zum Team selbst kann ich nicht viel sagen, das einzige Match der beiden an das ich mich erinnern kann war in den frühen 90ern als sie bei der Survivor Series aufgetreten sind. Leider haben sie danach keine wirkliche Chance mehr bei den großen Ligen WWF und WCW bekommen, was ziemlich schade ist wenn man bedenkt wie großartig sie in den alten Territorien gewesen sind, grade wenn man sich die von dir verwendeten Zitate ansieht.

    • Teil 2

      Der legendäre Rock ’n‘ Roll Express wurde dieses Jahr von der WWE in die hauseigene Hall of Fame aufgenommen – pünktlich zum 35. Geburtstag dieser einmaligen Karriere, in welcher Ricky Morton und Robert Gibson durchgehend gemeinsam aktiv (!) geblieben sind. Grund genug, das legendäre Tag Team, das den „Hot Tag“ salonfähig machte, etwas genauer zu beleuchten.

      Anfang der 90er Jahre ist die Karriere der Tag Team Ikonen ins Stocken geraten. Die Jim Crockett Promotions litten unter finanziellen Schwierigkeiten, was Ricky & Robert dazu bewegten, zur American Wrestling Association zu wechseln. Die AWA befand sich allerdings Ende der 80er Jahre ebenfalls im Sinkflug – da konnte auch eine interessante Fehde gegen die Midnight Rockers, Marty Janetty und Shawn Michaels, das Blatt nicht mehr zum Positiven wenden. Für die meisten Zuschauer verschwand der Rock ’n‘ Roll Express daraufhin – es sei denn, der interessierte Fan besaß eine Satellitenschüssel oder wohnte im zentralen Tennessee. In diesen Gefilden konnte Smoky Mountain Wrestling empfangen werden – eine Promotion, die vom Kayfabe Dauerrivalen und Real-Life Freund Jim Cornette eröffnet wurde. Die Tennisschläger-schwingende Manager-Ikone bot dem Rock ’n‘ Roll Express einen Job in der Liga an und schlussendlich durchlebten Ricky & Robert dort eine unverhoffte Neuauflage ihres grandiosen Runs der 80er.

      Smoky Mountain Wrestling brillierte durch ein breit gefächertes Roster, das neben alternden Old School Stars wie “Nature Boy” Buddy Landell, den Heavenly Bodies (Stan Lane und Dr. Tom Prichard), Bullet Bob Armstrong oder Terry Funk auch mit diversen aufstrebenden Talenten wie Lance Storm, Chris Jericho, D’Lo Brown und Al Snow aufwarten konnte. Abgerundet wurden die Shows durch Gastauftritte und Part-Time-Engagements großer Namen wie Arn Anderson. Von 1991 bis 1994 fehdete der Rock ’n‘ Roll Express gegen alles und jeden – beeindruckende 10-Mal erlangen die Rocker das Smoky Mountain Tag Team Gold. Ihren absoluten Höhepunkt erreichten Ricky & Robert vermutlich in einer spannenden, mitreißenden Fehde gegen Al Snow & Unabomb (später besser bekannt als Kane), das sogenannte „Dynamic Duo“ in seiner fünften Auflage. Die Erfahrung der beiden – nun – Alt-Rocker auf der einen und die unorthodoxe, Attitude-beladene Heel-Arbeit von Snow und Unabomb auf der anderen Seite sorgten für aufregende Auseinandersetzungen in allen Variationen. Besonders erwähnenswert ist das völlig absurde Cage Match zwischen den beiden Teams, das unter anderem mit einer Krankentrage und einem eingespielten „As the Music Died“ für kultige Unterhaltung sorgte.

      Aber das Schicksal spielte dem Rock ’n‘ Roll Express erneut nicht in die Karten. Auch Smoky Mountain Wrestling musste aufgrund von akuten Geldnöten seine Pforten schließen, was Ricky & Robert eine harte Zeit bescherte. Ersterer litt unter Drogenproblemen und Festnahmen aufgrund ausstehender Unterhaltszahlungen, während Gibson, ein Sohn tauber Eltern, versuchte, unter anderem als Lehrer von Zeichensprache anderweitig Fuß zu fassen. Wie bei so vielen Ikonen der 80er und 90er rief es den Rock ’n‘ Roll Express allerdings immer wieder zurück in den Ring. Neben sporadischen Auftritten in der WCW traten Ricky & Robert gar zeitweilig für die WWF an, wo sie unter anderem der Legion of Doom 2000 bei WrestleMania XIV unterlagen. Im neuen Jahrtausend zog es das Team zu TNA Wrestling und diversen anderen Indy Promotions – mal mit Achtungserfolg, zumeist aber unter Ausschluss der Öffentlichkeit. Beim NWA 60th Anniversary Event 2005 in Atlanata traf der Rock ’n‘ Roll Express noch einmal auf den ewigen Dauerrvialen – den Midnight Express. Jüngst war das ikonische 80er Jahre Tag Team gar beim „Total Nonstop Deletion“ Special von Impact Wrestling am 15. Dezember 2016 zu sehen. Der Zahn der Zeit sorgte letztendlich aber dafür, dass die so beeindruckend gestartete Karriere der beiden so langsam aber sicher im Sande verlief – ohne Auszeichnungen oder großartigen, öffentlichkeitswirksamen Respektsbekundigungen der Konkurrenz, die in Sachen Tag Team Wrestling sehr vieles adaptierte.

      Die Aufnahme des Rock ’n‘ Roll Express in die WWE Hall of Fame, die wohl einzige Wrestling Ruhmeshalle, die der breiten Masse bekannt sein dürfte, ist demnach längst überfällig gewesen. Ricky & Robert veränderten das Tag Team Wrestling nachhaltig und ebneten Workern, die ihre Stärken in der Technik und im In-Ring Work, nicht aber im Körperbau hatten, den Weg – unter anderem den Midnight Rockers, Marty Janetty & Shawn Michaels. Sie drückten dem territorialem Wrestling ihren Stempel auf und bewiesen, dass auch abseits der WWF das Geschäft zumindest auf regionaler Ebene boomen konnte. Ein wahrlich legendäres Tag Team.