Die Hintergründe der Wrestlingwelt

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    • Die Hintergründe der Wrestlingwelt

      Früher hat es mich nie interessiert, was sich hinter dem viereckigen Schlachtfeld stattfindet. Man war der Wrestling Mark, der nur seine Helden im Ring kämpfen und gewinnen sehen wollte. Doch man wird älter und man interessiert sich auch für "politische" Dinge im Wrestlingbereich. Darum liebe ich die Wrestling DVD´s, die mehr Dokumentationen erhalten. Ich wusste z.B. vor einiger Zeit nicht, das Kevin Nash sich selber zum Headbooker der WCW ernannte und somit Goldbergs Titel gewinnen konnte (plus das Ende der legendären Streak).

      Wie sieht das bei Euch aus? Zählt nur die Leistung im Ring, oder beschäftigt man sich auch mit der bekannten Backstagepolitik? Gab es Situationen, die Euch auch überrascht oder fasziniert haben? Egal ob positiv, oder negativ? Und wie geht Ihr damit um über Situationen, die erst nach Jahren (durch die Hintergründe) erst später erklärt werden?

      Mich beeinflusst das schon sehr, da es oft schon große Schockmomente in mir hervorgerufen hat.
    • RE: Die Hintergründe der Wrestlingwelt

      Generell bin ich schon jemand der sich sehr mit Dirt Sheets und sonstigem Wissen hinter den Kulissen auseinandersetzt, um mehr Hintergründe zu erfahren und zu verstehen warum manche Dinge so passieren wie sie passieren.

      Mit der WCW sprichst du ja einen Punkt an der das Paradebeispiel dafür ist, wie viele verschiedene Blickwinkel man haben kann. Das fing schon vor Nash an, als zum Bsp. Kevin Sullivan Booker war und Benoit, Guerrero, Jericho und Co. bewusst unten gehalten haben soll. Gerade seine Real Life Fehde mit Benoit ist sehr interessant, leider gibt es dazu aber wenig Dokumaterial.

      Allgemein sollte man bei Wrestling Dokus immer vorsichtig sein ist, da vielen die Objektivität fehlt. WWE Dokus loben das eigens erschaffene gerne in den Himmel, während besonders die WCW alles falsch gemacht zu haben schien. Von der unsäglichen (wenn auch zugegeben unterhaltsam) "Selfdestruction of the Ultimate Warrior" ganz zu schweigen. 
      Auch bei den nicht WWE produzierten Formaten wie "Beyond the Mat" wird sehr gerne die Objektivität zu Gunsten der Schockmomente hinten angestellt.
    • RE: Die Hintergründe der Wrestlingwelt

      Kevin Sullivan vs. Chris Benoit war wirklich heftig. Ich glaub es gibt davon so wenig Material zum Diskutieren, da es wohl heftig gekracht haben muss. Benoit spannt einem Mann die Frau aus, der privat als harter Kerl galt und auch noch (angeblich) ein Mitglied der schwarzen Kirche angehört. Ich erinnere mich noch an deren Match, wo es zum Superplex kam und der durch den Tisch enden sollte. Leider brach der Tisch nicht zusammen und Benoit (meine er war es gewesen) lag auf diesen Tisch. Das sah mehr als mies aus. Angeblich sollen auch in deren Matches viele harte Aktion gegeben haben, wo man sich wirklich blaue Flecke einhandelt wollte. 

      Und ja, bei WWE versucht man alles schön zu reden. Auch wenn ich mich frage, wie sie das immer wieder schaffen. "Hey, die Zeit war schlimm, aber jetzt lachen wir darüber". In den WCW DVD´s erkennt man das aber nicht, man merkt oft wie pissed einige Worker waren. Besonders Goldberg, der aber immer wieder sagte "Dafür stimmte das Geld". 

      Hogan vs. Russo atmete ja auch komplett aus, da merkte ich schon damals das dies nicht gespielt werden konnte. Das war für mich einer der schlimmsten Segmente, weil es so eskalierte. 

      Was ich Euch auch ans Herz legen kann ist die DVD von Piper. Ich hab mich so erschrocken. Ich wusste z.B. nicht das er eine miese Kindheit hatte und mit Dudelsackspielen sein Geld auf der Straße verdiente. Aber das er damals in einem Interview sagte, dass McMahon will das seine Stars sich im Ring umbringen. Das war schon krass, aber da war noch mehr was er da erzählte. Das Interview ging einem unter die Haut, weil Piper da wie ein Psycho wirkte. Es war unheimlich und das Interview sorgte für harten Zündstoff. Nur man wusste ja von den Einzelheiten nichts, Piper war plötzlich einfach nur weg.
    • RE: Die Hintergründe der Wrestlingwelt

      Ich interessiere mich für sowas nur am Rande, hab aber auch ein bisschen was beizutragen:

      Ich habe mal eine Aufzeichnung gesehen in der Vince Russo erzählt hat, wie er die WCW-Invasion nach der Übernahme durch die WWE gebookt hätte. Das ganze war natürlich Jahre nach den eigentlichen Geschehnissen. Muss aber sagen, dass mir seine Umsetzung dabei deutlich besser gefallen hätte, als das, was in der Realität dabei rauskam. Allerdings ist er auch davon ausgegangen, einfach alle Wrestler die er brauchte zur Verfügung zu haben, unabhängig von Vertrags-Situationen, die dabei evtl. im Weg standen. Da hatte er ja keine Einblick damals. Hat jedenfalls Spaß gemacht zuzuhören und hat mich damals schon inspiriert bzgl. Diary-Motivation.

      Außerdem hab ich mal eine Doku gesehen, in der ein Kamera-Team Tammy Lynn-Sytch während einer Show vor und hinter den Kulissen begleitet hat. Ich glaube damals hatte sie ein One Night Only Booking für CZW, falls ich mich richtig erinnere. Jedenfalls hat sie dabei über ihre Reha erzählt und wie sie es schafft clean zu bleiben, was sie motiviert usw. Ich bin ja vom Fach und während sie so erzählte dachte ich damals, dass sie den Müll den sie da verzapft wahrscheinlich selbst nicht glaubt und dass ich Zweifel habe, dass das lange hält. Ca. zwei Monate später befand sie sich wieder in Reha... Was mich aber noch mehr erstaunt hat war, wie die Frau zwischen Show und Nicht-Show einfach so umschalten konnte und das ganze wirklich nur ein Job für sie zu sein schien, ohne irgendwelche Motivation außer Geld zu verdienen. Sie war nicht so gut gelaunt, ist durch den Vorhang getreten und hat sofort Stimmung gemacht. Während des Matches hat sie sich dann an den Kameramann gewandt und ihn gefragt, wie denn noch gleich der Typ heißt, den sie da nach draußen begleitet hat, damit sie ihn anfeuern kann. Dabei hatte sie ihn zuvor noch kennengelernt...

    • RE: Die Hintergründe der Wrestlingwelt

      Vince Russo ist leider nur ein absoluter Dummschwätzer. Sein Kommentar zur letzten RAW-Ausgabe spricht da Bände. Komischerweise sind seine Ideen in den Podcasts immer gut ausformuliert und haben Hand und Fuß und wenn er seine eigenen (gescheiterten) Angles im Nachhinein erklärt, dann macht das alles plötzlich auch Sinn. Aber dann frage ich mich: Wie kam dann der Mist in der WCW zustande? Die vielen fragwürdigen TNA-Storylines und Matcharten? Dieser Mann hat definitiv zwei Gesichter und zeigt der Öffentlichkeit sein nettes und unschuldiges. Sobald er aber im Business aktiv ist, manipuliert er Beteiligte und spielt sie gegeneinander aus. Das haben jetzt neben Jim Cornette mehrere andere Mitarbeiter der WWE, WCW und Co. bestätigt. Und lustigerweise auch Russo selbst: Er hat jetzt letztens ausgepackt, dass er hinter dem Rücken von Dixie Carter mit Verantwortlichen von POP TV gesprochen hat, dass das TNA-Produkt Mist wäre. Er bettelt förmlich nach einer Festanstellung irgendwo.

      Er hat gute Ansichten und generell immer irgendwo einen Sinn hinter seinen Angles, aber er scheitert zu oft an der Umsetzung und fabriziert einfach extrem viel Schrott. Dazu ist sein Booking zu unlogisch und kurzweilig, da steckt meisten kein großer Plan hinter. Das war vielleicht in der Attitude Era irgendwie angemessen für den Zeitgeist, aber selbst da brauchte es ja einen großen Filter mit McMahon. Terry Taylor (WWE-Writer ab 1999) hat einmal in einem Interview geschildert, wie Booking-Sessions mit Russo, Vince McMahon, Ed Ferrara und ihm abgelaufen sind: Russo bringt unendlich viele Ideen zu Tisch und redet drauf los, während McMahon immer "ja", "nein" oder "ja, aber nicht so" gesagt hat. Sein Mitwirken in der Attitude Era wird überschätzt meiner Ansicht nach. Er hat ein paar trashig denkwürdige Angles gebracht wie die Panzerfahrt mit DX, aber ich will nicht wissen, wie viel da von McMahon abgewürgt wurde. Er tendiert dazu, zu viele kurzweilige Aktionen zu bringen (allen voran Turns und Angles), die am Ende nichts bringen und immer auf dem Schmalen Grad zwischen Unterhaltung und totalem Schrott wandern.

      Das einzig positive ist eigentlich, dass er wirklich jedem Roster-Talent irgendein Gimmick oder zumindest Angle geschrieben hat, mit welchem sie für etwas standen. Das muss jetzt nicht immer gut sein, aber jeder Wrestler aus dem Attitude-Roster war ja irgendwie greifbar und stellte etwas dar. Das zieht sich wenigstens von WWE über WCW bis TNA durch. Aber ansonsten? Naja...

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