EWB.de Diary Roadmap

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      Diary Roadmap – Wie man sich einen Aktionsplan für ein Diary setzt.





      Hallo,
       
      ich möchte an dieser Stelle kurz erwähnen, dass es sich hierbei um einen Beitrag der amerikanischen Plattform EWBattelground handelt. Ich habe mir die Mühe gemacht diesen Artikel zu übersetzen, da ich ihn besonders lesenswert finde und ihn mit meinen eigenen Impressionen vermischt.
       
      Ohne sich großer mathematischer Kenntnisse bemühen zu müssen, doch ein normales Diary dauert bei den meisten Schreibern doch weniger als 3 In-Game-Monate. Sehr selten lesen wir von Zeitspannen wie WrestleMania zum Summerslam, Starrcade zum Bash hat the Beach, Bound For Glory zu Lockdown. In meinen 8 Jahren seit dem ich mich mit Diaries beschäftige habe ich viele Projekte eröffnet und geschlossen. Sehr oft war ich dabei glücklos und mit mir selbst nicht zufrieden.
      Mein größter Hit war wohl ein WWE Echtzeit-Diary, welches zwischen November 2012 bis Oktober 2014 bestand. Im Gegensatz zu dieser Leistung, habe ich jedoch eine Vielzahl an Diaries gehabt, die es nicht einmal bis zur 3 Monatsmarke geschafft haben.
       
      Ich möchte an dieser Stelle festhalten, dass ich eigentlich immer nur EWR für das Diaryschreiben verwende. TEW ist mir schlicht zu tiefgehend um es wirklich als Stütze für meine Arbeit zu werden.
       
      Zweitens, ich habe bisweilen immer nur Szenarios ausgewählt, die ich mir durchaus auch realistisch so hätte vorstellen können. Bei meinem WWE Diary war es eben so, dass mir damals das WWE Umfeld einfach nicht mehr zusagte. Ich habe nicht nachvollziehen können, wieso die WWE zu jenem Zeitpunkt so viele Teilzeitwrestler hatte. Darüber hinaus fehlten klare Strukturen und das hatte mich dazu bewogen langfristig ein einzigartiges Projekt zu versuchen. Wade Barrett zum neuen Triple H der WWE zu küren in dem er sich nicht nur den legendären World Heavyweight Titel schnappt, sondern auch noch Stephanie McMahon, bereitete mir große Freude.
      Oftmals habe ich überlegt ein Diary direkt aus meiner Lieblingszeit zu wählen. Dies war die Ruthless Aggression Era um 2004/05. Doch in meinen Augen machten die Writer einfach sehr viel richtig damals. Natürlich wäre es auch interessant gewesen Leute wie Maven oder Carlito in den Main Event zu pushen, doch wenn John Cena und Batista bereits in den Starlöchern scharren und auf ihren Push warten, wäre dies wohl keine reizvolle Aufgabe.
      Halten wir also fest: Einige Szenarien gefallen uns vor allem weil wir sie mit positiven Zeiten verbinden. Doch worin liegt noch der langfristige Spaß für einen Schreiber, wenn ohnehin keine große Herausforderung lauert?
       
      Also wenn ich mich für ein Diary entschieden haeb, so starte ich ein Spiel mit Extreme Warfare Revenge (EWR) und öffne sofort InGame den Button „Quick Roster“. Organisation im Diary macht nun mal sehr viel aus und ist eine große Erleichterung im kreativen Denkprozess. Vor Jahren lud jemand im Internet ein Excel Sheet mit 15 verschiedenen „Tabs“ hoch. Angefangen von den PPV Results, Battle Royals, letzten 10 Champions, ihren Titelregentschaften, die Anzahl an Titelverteidigungen.
      Nicht jeder ist für Excel Sheets zu haben und auf jeden Fall ist es doch durchaus klüger, wenn man mit einem Wrestlingmanager bookt, da dies viel Arbeit erspart. Vor allem fließen durch den Manager auch mehrere Einflüsse ins Spiel ein. Wrestler verlieren an Motivation, treten zurück oder verletzen sich. Gerade diese Einflüsse machen ein Diary auch teilweise aus, denn nichts ist schlimmer als ein Wrestlingdiary, das so perfekt ist, dass es vom Reißbrett kommen muss.
       
      Jetzt wage ich mich also gleich an meinen ersten PPV im Diary und booke ihn. Ich schreibe meine Pläne in den Menübutton „Notepad“ bei EWR. Ich schreibe mir natürlich auch immer das Datum dazu oder fixiere es unter dem Punkt „Events“ bei EWR. Es ist einfach hilfreich, damit man nicht die Zeit übersieht. Bei meinem ersten Pay Per View bemühe ich mich gewöhnlich, dass 25-50% in etwa so passieren, wie in Real Life. Einfach nur, um den Lesern auch ein Gefühl für die Zeit zu geben, in welcher ich mein Diary schreibe. Ich versuche in der Midcard einige Dinge hervorzuheben und zu ändern. Der Main Event bleibt hierbei fast ident. Das ist natürlich eine sehr große Herausforderung für ein Diary. Die Herausforderung des Realismus.
       
      Viele machen es sich beim Diary schreiben sehr einfach. Vor allem, wenn sie das große WWE Universum managen möchten. Dabei feuert man meistens dann gleich die uncharismatischen und talentfreien Wrestler. Dies ist natürlich ein sehr einfacher Weg, doch ein durchaus unrealistischer. Ein weiterer Fakt sind plötzliche Titelwechsel in den ersten Wochen eines Diaries. Ganz ohne Aufbau, ohne Vermittlung an den Leser, quasi da man gerade keinen Plan für den amtierenden Champion hat. Das ganze schreit dann immer so nach „Ich mag die Person als Champion nicht. Deshalb versuche ich Ding nach meinen Wünschen zu ändern“.
      Einer meiner Lieblingsziele im Diary ist es, Dinge zum Laufen zu bringen. Meine Philosophie lautet: „El Torito und Eva Marie verdienen in meinem Unternehmen Geld. Man sollte versuchen irgendwie eine Aufgabe geben. Was kann ich tun damit dies sinnvoll ist?“
       
      Ein Hauptproblem vor allem bei Mainstream Diaries ist nun mal, dass das Roster sehr aufgebläht ist und man nicht jeden in der Show einsetzen kann. Das ist eine realistische Herausforderung. Ich booke daher meine erste Show und versuche dies vom PPV-Entwurf abzuleiten. Und manchmal ist es eine richtige Herausforderung nicht gleich 8-9 Storylines während der ersten Show vom Zaun zu brechen.  Gewisse Dinge brauchen nun mal ihre Zeit und einen gewissen Vorlauf. Wenn dies auch heißen mag, dass vor allem die Fehden in den niedrigeren Card-Regionen maximal eine oder zwei Wochen richtige Aufmerksamkeit bekommen. Ich sehe mir mein Roster an und achte auf die Wrestler, die ich eingesetzt habe. Ich denke mir „Sorry Adam Rose, du hast es diese Woche nicht in die Show geschafft. Doch nächste Woche setze ich dich irgendwie ein und selbst wenn du einen Bump für die Dudley Boyz nehmen musst.“
      Man muss sich vor Augen halten, dass Wrestler Menschen sind, die unbedingt performen möchten. Ich versuche ihnen die Chance zu geben sich zu beweisen. Selbst wenn es heißt sich für jemanden hinzulegen, der wichtiger als man selbst.
       
      Was bringt mir diese Überlegung? Ich habe eine Rotation im Roster. Das gibt meiner Show den Charakter immer wieder unterschiedliches Programm zu liefern. Jeder Wrestler hat seine Position und seine Aufgabe (selbst wenn es eine undankbare ist).
      Ich versuche alle meine Storylines einzubauen und helfe mir dabei immer wieder auf meine geplante PPV Card zu blicken. Ich booke meistens eine Show im Voraus. Wenn ich 3 PPVs oder 3 TV Shows im Voraus booken würde, dann würde ich meine kreative Arbeit irgendwie abwürgen. Eine plötzliche hervorragende Idee für eine Promo würde ja keinen Platz haben, da ich bereits einige Shows durchgeschrieben habe.
      Natürlich können manche so gerne arbeiten. Aber zu meinen Stärken zählt dies nicht.
       
      Die „Go-Home-Show“ für den PPV ist der ideale Zeitpunkt um sich wieder Gedanken für den nächsten PPV zu machen. Ich lege den Grundstein für den weiteren Verlauf der Stories bei dieser Go-Home-Show oder ich versuche es spätestens in der ersten Show nach dem PPV. Aber ich muss wissen in welche Richtung sich meine Charaktere entwickeln. Wie beeinflussen sie ihre Siege und Niederlagen beim PPV. Das bezieht auch die Moral, die Ziele und Intentionen. Wenn ein großer Heel eine Niederlage einsteckt, wie wird er seine Heat wiedererlangen? Nimmt er eine offene Herausforderung an, spricht selbst eine offene Herausforderung an, schlägt einfach jemanden zufällig nieder oder nennt die Niederlage selbst nur einen Witz.
       
      Wenn der erste PPV geschafft ist, dann steht das Diary schon mal auf den Grundfesten. Die Leser kennen dann schon die Umgebung in der sie sich befinden.
       
      Da ist ein Debüt, hier ist ein neues Gimmick, dort ein Turn, ein fader Wrestler, der sich plötzlich in der Tag Team Division mit seinem neuen Partner aufblüht. Aber natürlich nicht alles auf einmal! Schließlich kann ich mir nicht einfach 10 Worker nehmen und versuchen sie alle mit der obersten Priorität zu versehen.
      Mir fehlt der Platz um John Cena sein Match oder Promo des Abends zu geben. Zack Ryder’s neues Gimmick muss ebenso bis nächstes Monat warten, wenn Cody Rhodes versucht und daran scheitert sich die Intercontinental Championship zu schnappen.
       
      Ich brauche viel Geduld und viele Ideen. Ich habe mehrere Word Dateien mit Ideen für Angles, Ideen für Gimmicks und Ideen für Storylines und die dürfen natürlich nicht alle auf einmal ins Diary gepackt werden. Diese Ideen können angewendet werden, wenn es der Zeitpunkt zulässt und ich die richtige Person dafür finde. Während ich meinen Fokus auf meine aktuellen Storylines Woche für Woche lege. Wenn mir plötzlich eine neue gute Idee einfällt, so muss ich deshalb nicht ein neues Diary starten, sondern schreibe die Idee einfach nieder und warte auf den richtigen Zeitpunkt. Ich kann meine Charaktere adaptieren um die Rolle passend zu machen und nicht meine Rolle als Booker bzw. die Promotion mit jenem Roster um die neue Story passend zu machen. Die Wrestler im Roster sind bloß Zahnräder. Es gibt keinen Grund ein WCW Diary zu beginnen für eine nWo Storyline oder Angle, wenn man dafür einfach im Diary zum Beispiel die The Authority dafür nehmen kann.
       
      Neuerdings versuche ich Pixar’s Storytelling Philosophie anzuwenden um eine neue verständliche Realität anzuwenden, die ihren Höhepunkt bei einem großen Event findet.
      Ich verbinde das zum Beispiel mit dem Piper’s Pit, welches einst nur als Plattform für Roddy Piper begonnen hat. Er hatte einen Gast, er machte sich über den Gast lustig. Piper war cool und er hatte die Kontrolle. Dann versuchte man etwas zu ändern und Piper war derjenige, der sich billigen Tricks behalf. Das funktioniert für eine Zeit bis es einfach vorhersehbar wurde und plötzlich drehte sich die Situation und jemand attackierte Piper stattdessen. Was ich damit sagen möchte: Wiederholungen können wirklich gut sein, Ein sinnvolles Wiederholen kann die Fans trainieren Dinge einfach zu erwarten. Und wenn sie dies nun einfach nur noch so erwarten, dann ist der Überraschungsmoment viel größer, wenn die Dinge einfach einmal anders ausgehen.
      Zum Beispiel John Cena’s Open Challenge im Jahr 2015. Wir alle haben miterlebt wie diverse Midcarder/Uppermidcarder wie Cesaro oder Dean Ambrose die Challenge von Cena angenommen haben. Aber was passiert wenn man plötzlich ein Wrestler, der wesentlich über oder unter diesem Level steht, diese Challenge annimmt und gewinnt um die Dinge durchzuwirbeln? Erinnern wir uns doch an 2004 als der junge Carlito direkt John Cena herausforderte und um den US-Titel besiegen konnte.
       
      Das einzige weitere Puzzlestück ist der Rat, dass man einfach drauflos schreiben sollte. Ich weiß nicht wieso ihr schreibt. Aber ich schreibe einfach, weil ich es gerne tue. Es ist der Reiz an der Sache. Auch ich bekomme hier und da eine Schreibblockade, aber ich lasse die Sache dann einfach so stehen und beschäftige mich mit etwas anderem. Innerhalb einer Woche setze ich mich noch einmal daran und beende die Blockade.
       
      Das sind meine Geheimnisse. Wenn jemand auch Tipps und Hinweise hat, dann sind diese natürlich gerne gesehen.